Dienstag, 27. November 2012

Weihnachtsfeier mit dem Nutrixxion 4Fun Team

2013 wird grün-schwarz!


Tina von Nutrixxion schreibt tolle Mails (Auszug):
Am 24.11.2012 (Samstag) werden wir eine grün-schwarze Nutrixxion Weihnachtsfeier im l'Arrivée Hotel & Spa in Dortmund organisieren. Eingeladen sind alle neuen und alten Nutrixxion 4Fun Fahrer, das Abus Nutrixxion Profiteam sowie all unsere Partner und Sponsoren. Wir möchten diesen Tag nutzen, um euch herzlich im Team begrüßen zu dürfen, euch eure Starterkids zu überreichen und eure zukünftigen Teamkameraden sowie uns kennen zu lernen.

Na das hört sich doch interessant an! Also im Kalender den 24.11. gechecked, genickt und geblockt.

Bei der Ankunft im Dortmunder l'Arrivee gab es direkt das oben erwähnte Starterkid überreicht und eine kurze offizielle Begrüßung. Anschließend wurden von jedem Teammitglied Portraitbilder geknipst. Da sich der Fotomarathon naturgemäß über den halben Nachmittag zog, gab es nun die erste Gelegenheit sich mit den zukünftigen Mitstreitern bekannt zu machen. Diese wurde auch bei gleichzeitigem Verzehr von Kaffee und Kuchen (in äußerst unvernünftiger Quantität) ausgiebig genutzt. „Und seit ihr MTBler oder Rennradfahrer?“ „So, so. Ok, ich muss weiter...“ ;-)

Schnell bildeten sich kleine Grüppchen von MTB oder RR-Fahrern innerhalb der auch gleich die Saisonplanung 2013 durchgeführt bzw. deutlich ergänzt wurde. Erste potenzielle Mitstreiter für Teamwettkämpfe wurden sondiert. Ich glaube das war eine „Keimzell“ für Eventteams von denen wir 2013 noch hören werden!

Anschließend wurde es noch einmal stressig für die Fotografen. Es hieß gut 80 Leute möglichst fotogen für ein Gruppenbild in der Hotellobby zu drapieren. Hier wer vor, da wer zurück. Ventile des Rades nach unten. Trikot zu, ja bis ganz oben! Hand vom Lenker. Hand wieder auf den Lenker. Hier noch ein Tausch, da steht jemand noch nicht ganz richtig. Hier noch schnell der Sessel weg. TV im Hintergrund auch noch aus. Jetzt aber! „Bitte alle schön lächeln!“ *click* Uff geschafft.

Wir alle sind gespannt auf das offizielle Ergebnis. Das erste „Inoffizielle“ sieht doch schon einmal vielversprechend aus:
Nutrixxion 4Fun Team 2013
Nun gab es Informationen zur Organisation des Teams, Ansprechpartner, vergangene und geplante Teamevents und einen sehr interessanten Vortrag von Dennis Sandig von iQ athletik zum Thema "Trainingsplaung". Spätestens nun rauchte zumindest bei mir der Kopf, doch auch der eine oder andere neben mir schien zu denken: „Informationsoverload!“. Darüber muss ich jetzt erst einmal 1-2 Nächte schlafen. Nett von Dennis uns anzubieten unsere Fragen auch zukünftig gerne an ihn zu richten! *daumenhoch*

Der Tag war bis hier schon recht lang, entsprechend lungerte bereits deutlich vor 19:00 Uhr eine immer größer werdende Schar von hungrigen Athleten vor dem Einlass zum Kaminzimmer. Das noch anhaltende Fotoshooting der ebenfalls angereisten Fahrer vom Abus Nutrixxion Profiteam verlangte jedoch noch etwas Geduld.

Ich fand das gar nicht schlimm, so gab es schließlich noch die Gelegenheit für das eine oder andere Gespräch bzw. Andenken in Form von Fotos:
Karl Platt vom Team Bulls steht anscheinend auch auf Nutrixxion
Endlich lud Herr Claußmeyer die versammelten knurrenden Mägen ins Kaminzimmer. Das (für mich abschließende) gemeinsame Abendessen war nicht nur sehr lecker und reichlich, sondern dank der netten Tischnachbarn auch so kurzweilig, das ich mich nur widerwillig gegen 23:00 Uhr auf den Heimweg machte.

Für diejenigen, welche dort übernachteten stand am Sonntag noch eine gemeinsame Radtour mit den Profis auf dem Programm. Wegen meiner erst fünf Tage zurückliegenden Nasen-OP war mir die Teilnahme daran jedoch leider nicht möglich. :-(

Neben dem umfangreichen Starterkit nehme ich die Erinnerung an einen interessanten Tag, eine Menge neuer netter Kontakte und eine riiieeeeesige Portion Motivation mit in die neue Saison. Ich freue mich auf 2013 im Nutrixxion 4Fun Team!

Die Ausrüstung ist da, jetzt fehlt "nurnoch" die Form...


Montag, 13. August 2012

Zwei Tage auf dem Höhenflug und Rothaarsteig

Über den Höhenflug nach Winterberg, dort übernachten, dann den Rothaarsteig nach Süden bis die Uhr sagt: Ab nach Hause.










So sah der Plan aus, als ich von zu Hause aufbrach. Beide Wanderwege sollten eigentlich ganz gut ausgeschildert und somit ohne technische Hilfsmittel zu finden sein. Dennoch hatte ich mir für den Notfall von beiden Wegen einen GPS-Track aufs Handy geladen.

Eingedeckt mit reichlich Wegzehrung ging es am frühen Morgen mit durchwachsener Wettervorhersage los.

In Meinerzhagen finde ich den Startpunkt sofort und ohne Probleme. Los geht’s. Doch oh Schreck, ich bin keine 5 Minuten unterwegs, schon habe ich mich verfahren. Zurück zum letzten bekannten Wegzeichen. Erst bei genauerem Hinsehen entdecke ich hier den weißen Richtungspfeil im hellgelben Logo…

Wer hat eigentlich die Farbe für die Wegzeichen gewählt? Na ja, mit dem neu gewonnen Wissen geht es dann doch ohne weitere größere Wegfindungsprobleme Richtung Osten.

Leider habe ich jedoch beim wiedereinstecken des Handys vergessen die GPS-Funktion zu deaktivieren. Mein neues GPS-Programm saugt und nuckelt also fröhlich am Akku. Dies bemerke ich erst beim ersten größeren Zwischenstopp. Mittagspause in „Faule Butter“.


Schreck 1:
Akkuleistung: Noch 18%..... Also Handy ganz ausgeschaltet. Stromsparen. Nur noch „im Notfall“ zum telefonieren oder navigieren benutzen.
Schreck 2:
Der Reisverschluss meiner billigen neuen Aldi-Satteltasche hat sich von alleine geöffnet. Der Ersatzschlauch ist noch da, der Rest fehlt. Topeak Multiwerkzeug, Nippelspanner, Schlauchheber und 20 Euro (Notgeld) sind futsch… Somit ist es plötzlich keine so billige Tasche mehr…

Nachdem ich den Ärger und die Waffel verdaut habe geht es wieder auf den Höhenflug. Die Strecke ist unwahrscheinlich schön gewählt worden. Teils sehr einsam, viele kleine Trails aber auch reichlich Höhenmeter.
Es geht vorbei an Herscheid, Attendorn, Finnentrop über die Homert nach Eslohe. Ich merke jedoch, dass ich weit im Zeitplan zurückliege. Die Gründe sind vielfältig.
  • langsam fahren an jeder Abzweigung wg. der schlecht erkennbaren Richtungspfeile.
  • reichlich Höhenmeter
  • teils zugewucherte, ausgespülte und verblockte Wege
  • aber auch schwere Beine
Noch möchte ich aber vom geplanten Ziel „Winterberg“ nicht ablassen. Plan B bleibt noch in der Schublade.

Ob die noch was vom gestrigen Grillen übrig haben?
Nun kommt ein weiteres Problem hinzu. Trinkwasser. Beide Flaschen sind schon eine Weile leer. Kein Ort (ohne größeren, zeitaufwendigen Umweg) in Sicht… Eine Quelle an einer Kapelle im Wald kurz vor Bad Fredeburg dient als Rettung. Hoffentlich gibt das keine Magenfaxen.

Irgendwann auf dem, der, das, was auch immer "Hunau" wird es langsam dunkel. Ich habe kein Licht dabei. Fahren nach Sonnenuntergang sah der Zeitplan nicht vor. Eine Wanderhütte kurz vor dem Hunau-Turm bietet sich als Übernachtungsgelegenheit an. Doch ich habe weder warme Kleidung, noch einen Schlafsack dabei. Außerdem kann Winterberg nicht mehr weit sein. So geht es weiter schnur gerade über einen Waldweg in Richtung Kahler Asten.

In Alt Astenberg frage ich nach dem Weg. Jetzt muss es wirklich schnell gehen. Ein Einheimischer schickt mich auf eine Schotterpiste welche direkt nach Winterberg führen soll. Stimmt, ruck zuck bin ich am Eiskanal. Runter ins Dorf und nach der Jugendherberge fragen.

Die Leute schauen mich im Dunkeln langsam vorwurfsvoll an so ganz ohne Licht am Rad… Niemand weiß so recht wo die Jugendherberge sein soll. Also Handy raus, einschalten, Adresse eintippen und … Mist zurück. Wieder rauf zur Bobbahn. Hier war ich vor 30 Minuten doch schon…

Nun heißt es Augen zu und durch. Eine unbeleuchtete Landstraße, kein Radweg und Finsternis. Doch es geht gut. Ich begegne nur zwei entgegenkommenden Autos bis ich auf der rechten Seite endlich die Jugendherberge sehe.

Es ist kurz vor 22:00 Uhr. Die Repezption verweist und die Olympia-TV-Gucker im Foyer schauen mich an als wenn ich sie nicht mehr alle hätte. Doch ich habe Glück. Per Haustelefon lässt sich der Herbergsvater anrufen und ist völlig entspannt trotz der Uhrzeit. Einchecken, Klo, Dusche, Bett… 150 km und knappe 4000 hm fordern ihren Tribut.

Am nächsten Tag stelle ich doch glatt fest, dass der Rothaarsteig direkt hinter der Jugendherberge entlangführt. War der Höhenflug doch sehr einsam, sieht man dem Rothaarteig sofort an das er bekannter ist. Mehr Gaststätten, mehr Leute auf dem Weg unterwegs. Der Abschnitt in Richtung Südwesten ist recht entspannt. Ich bin ja schon „oben“ und so geht es bis auf wenige knackige Anstiege tendenziell ehr bergab. Es ist „flowig“. Die Beine sind heute gut und die Sonne kommt heraus.

Es geht vorbei an Langewiese, Schmallenberg, Rhein-Weser-Turm bis nach Hilchenbach. Hier verlasse ich den Rothaarsteig. Eigentlich wäre noch etwas Zeit um weiterzufahren, doch die Blindfahrt von Gestern hat mich vorsichtiger gemacht. Da ich auch noch nicht genau weiß wie ich nach Hause komme entschließe ich mich auf Nummer sicher zu gehen.

Ab hier heißt es Richtung Nordwest bis ich etwas Bekanntes sehe… Eigentlich sollte hier mein Handynavi helfen, doch dessen Akku zeigt nur noch 4% an… Aber das Glück hilft mir auch hier mit einem Zufall weiter. In Hilchenbach entdecke ich ein Wegzeichen „X3“. Hey den kenne ich doch! Das ist der Talsperrenwanderweg des Sauerländischen Gebirgsvereins! Und das Beste daran: Der führt unter anderem durch Marienheide. Das ist bei mir zu Hause gleich um die Ecke! Also folge ich seiner Spur auch wenn es wieder heftig bergauf und bergab geht. Über Krombach und Biggesee geht es auf den Knollen bei Gummersbach-Hackenberg. Nun bin ich so gut wie zu Hause. Es geht im Prinzip die Hausrunde meines Vereins (BikeAttackOberberg), das so genannte „Türme Stürmen“, rückwärts bis nach Hause.

Dort zeigt der Tacho 297 km und 6775 hm an. Ich bin platt, doch fühle mich noch nicht am Ende.

Erkenntnis:
- Die Runde muss ich irgendwann noch einmal drehen. Schließlich konnte ich wegen des Handyakkus keine Fotos machen…
- Ich würde gerne noch ein 24h Rennen dieses Jahr bestreiten. Hat jemand einen Tipp?

Mittwoch, 29. Februar 2012

Deutsche Meisterschaft 12h „Indoor“ in Rotenburg an der Fulda





EDIT 02.03. Bilder eingefügt, youtube-Links eingefügt, Text leicht überarbeitet

Puh! Es hat ein paar Tage gedauert bis ich die auf mir liegende, bleierne Trägheit überwunden habe. Daher gibt es erst heute meinen Bericht zum letzten Samstag…

12h auf einem 1400 Meter langen Rundkurs „Indoor“ im Kreis fahren. Das hört sich im ersten Moment nicht sonderlich spannend an. Treibt es uns Mountainbiker doch eigentlich ehr raus auf ausgedehnte Touren in der Natur. Außerdem ist Ende Februar auch recht früh in der Saison für eine solch lange Fahrzeit. Dennoch ging für mich ein unwiderstehlicher Reiz von dieser Veranstaltung aus.

Auch um die Trainingsmotivation über den Winter hoch zu halten meldete ich mich bereits vor Monaten zu diesem Event an. Und es funktionierte: Regen, Kälte und Dunkelheit, welche sonst zur Suche nach Ausreden für Trainingspausen herhielten konnten mir dieses Jahr nichts anhaben. Ich hatte Ende Februar noch nie so viele Trainingskilometer in den Beinen!

So ging es am 25.02.2012 um 4:00 Uhr Morgens auf die Autobahn mit Ziel Rotenburg an der Fulda. Mit an Bord
  • mein frisch geputztes Rad,
  • eine Randvoll gepackte Tasche mit Kleidung, Riegeln, Ersatzmaterial und Duschzeug,
  • meinem Vater als Betreuer und Fahrer für den Rückweg sowie
  • dem kühnen, verwegenen und „geheimen“ Plan in die Top10 fahren zu wollen…
Nach der Ankunft, einer schnellen und reibungslosen Anmeldung wurde schnell mein Drahtesel gesattelt, um noch vor dem Startschuss um 8:00 Uhr eine Proberunde auf der Stecke fahren zu können.

Direkt nach dem Start geht es heraus aus der angenehm warmen Halle in die morgendliche, graue und noch etwas nebelige Kühle. Einige Strohballenbarrikaden verhindern eine zu starke Beschleunigung auf der abschüssigen „Geraden“. Grund dafür ist ein 170 Grad Kehre am Ende. Es geht vom Teer auf einen leicht schlammigen Boden.



Nach der ersten von vielen weiteren Kehrtwenden geht es in einen kurzen, steilen Downhill. Der Untergrund ist jedoch gut und man kann das Rad im unteren Teil einfach rollen lassen. Am Ende biegt man jedoch auf einen schmalen Gang zwischen Parkhauswand und Geländer ein. Dies alleine ließe noch ein hohes Tempo zu, doch der Boden ist spiegelglatt. Hier und in den beiden folgenden (immer noch engen) zwei 90 Grad Kurven werden in den ersten Runden zahlreiche Stürze folgen.


Eine weitere 180 Grad Kehre führt in die unterste Etage des Parkhauses. Nun heißt es sich langsam auf den folgenden 4 Halbetagen nach oben zu arbeiten, ohne das einem bei dem mit Flatterband abgesperrten Zickzackkurs schwindelig wird. Über eine eigentlich nur kurze Rampe geht es wieder ans Tageslicht. Die Einstellung zum Wort "kurz" wird sich im Laufe der folgenden 12 Stunden jedoch noch ganz gewaltig relativieren…

Zunächst folgen weitere Geraden. Dazwischen jedoch wieder 180 Grad Kehren. Wie gut, das ich zu Hause noch die Bremsklötze meiner Scheibenbremsen erneuert hatte. Nun folgt eine Abfahrt über einen eigens für heute gebuddelten Singeltrail dem sich eine schlammige Wiesenabfahrt anschließt. Hier werden heute noch Knochen zu Bruch gehen und Deutsche Meisterschaftsträume zerstört…

Nach der Wiese geht es unter einem Haus hindurch, dahinter eine zweite (im Laufe des Tages immer fieser werdende) Rampe zum Hoteleingang hinauf und (man staune) durch die Türe hinein direkt in die Hotellobby. Dahinter ist wieder die Sportarena mit den Teamboxen, der Wechselzone und dem Start/Ziel-Bereich zu erkennen. Was hier mit vielen Worten beschrieben ist, sind „eigentlich“ nur 1400 Meter mit 40 Höhenmetern.



Hier zwei youtube-Links zu Videos auf denen der Steckenverlauf zu sehen ist:
Team Overload
ReinNeckarRacing

Nervös warte ich auf den Start, als Rookie bei einem solchen 12h-Event kann ich noch nicht 100%ig einschätzen was mich gleich erwartet…

Um Punkt 8:00 Uhr werden wir 23 Solostarter auf die Reise geschickt.


Danach jeweils mit 20 Sekunden Abstand die Startfahrer der 2er, 4er und 6er Teams.
Wem es nicht schon während der Streckenbesichtigung klar wurde, merkt es spätestens nun: Die Überholmöglichkeiten sind rar. Schnell fädelt sich alles in einer langen Reihe ein und jedes Überholmanöver ist ein kurzer Zwischensprint. Zumindest bis uns Solofahrer nacheinander die 2er, 4er und 6er Fahrer aufholen. Ab jetzt wird es hektisch. Die Teamfahrer fahren die wenigen Runden ihres „Turns“ mit Puls am Anschlag. Da sind wir Solofahrer nur „hinderliche Bremsklötze“ auf der Stecke.

Für mich kommt hinzu, dass ich mich erst an das Gefühl des ständigen „Überholtwerdens“ gewöhnen muss. Jedes mal fühle ich mich dazu verleitet mich in den Windschatten zu hängen. Doch das ist viel zu schnell für mich. Ich kann mich nicht in 3 oder 4 Runden vom Folgefahrer ablösen lassen. Mein Puls knackt die 180er-Grenze… Ich darf eigentlich nicht mehr als mit 150er vielleicht 160er fahren. Ich ermahne mich selbst zur Ruhe! Doch es nutzt nichts. Immer wenn ich auf die Pulsuhr schaue: Viel zu hoch.

Das ganze Fahrerfeld ist hektisch und nervös. Ich sehe zahlreiche Stürze. Schwerpunkte sind die Wiesenabfahrt in der sich bereits jetzt bodenlose Löscher auftuen und der teuflisch glatte Engpass kurz vor der Tiefgarageneinfahrt. Hier rutscht auch mir einmal das Vorderrad weg. Im letzten Moment bekomme ich ein Bein auf dem Boden und kann so den Sturz verhindern. Doch noch in derselben Runde passiert es dann. Nach der Wiesenabfahrt höre ich Fahrer hinter mir, ich mache vor der Rampe hoch zum Hotel einen Schlenker nach links um die Ideallinie freizugeben und die Schnelleren vorbeizulassen. Der Fahrer hinter mir hatte es jedoch noch eiliger als ich dachte und wollte schon hier überholen. Es kommt was kommen muss, unsere Lenker verhaken sich und in Rennminute 29 gehen wir beiden Kopfüber über den Lenker und landen unsanft auf den Plastersteinen.

Ich kann ihm nicht die Schuld in die Schuhe schieben, auch ich hätte vor dem Schlenker einen Schulterblick machen sollen. Ich rappele mich auf, prüfe das Rad und springe zurück in den Sattel. Das durch meinen Körper gepumpte Adrenalin lässt aktuell kein Schmerzempfinden zu. Auch der andere Fahrer scheint unverletzt. Seinem Vorderrad entweicht jedoch laut zischend die Luft. Doch es ist ein Fahrer aus einem 4er Team und so quält er seine Felge rücksichtslos die Steigung hinauf ins Hotel zur nahen Wechselzone.


Ich selber gehe auf die nächsten Runden. Endlich bekomme ich meinen Puls in den Griff. Doch auch das Adrenalin wird abgebaut und die Nachwirkungen des Sturzes setzen ein. Ich merke ein unangenehmes „Ziehen“ im Nacken- und Schulterbereich, welches auch in den nächsten elfeinhalb Stunden (genaugenommen auch in den nächsten Tagen) nicht nachlassen wird. Unter dem Stoff von Trikot und langer Radhose vermute ich je eine Schürfwunden am rechten Knie und am linken Ellenbogen. Außerdem wird in meinem Gehirn Platz für „Vernunft“. Setze ich meine gute Frühjahrsform hier zu sehr aufs Spiel? Die Saison ist noch jung, die Liste mit geplanten Veranstaltungen noch lang…

Doch der Veranstalter regiert schnell und effektiv. An der Wiesenabfahrt werden 2 Personen mit Spaten platziert, welche in den nächsten Stunden unermüdlich die Löscher stopfen, die schlimmsten Fahrrillen glätten und sogar Sträucher „abholzen“ und neuen Raum zu schaffen.


Am zweiten Unfallschwerpunkt (dem Engpass vor der Tiefgarage) werden Gummimatten ausgelegt. Ab sofort reicht dort der Grip um sicher um die Ecken zu kommen. Sofort lässt die Zahl der Stürze schlagartig nach und geht auf ein „normales“ Maß zurück. Meine Stimmung hebt sich und die Gedanken an eine frühzeitige Aufgabe sind graue, beiseite gewischte Vergangenheit.

Die ersten 3 Stunden sind herum und es wird Zeit sich einmal über den aktuellen Stand im Rennen zu informieren. Es gibt zwar eine Videoprojektion im Start/Zielbereich mit dem aktuellen Rennstand, doch den kann ich unmöglich in schneller Vorbeifahrt lesen. Mein Vater versorgt mich also per Zuruf mit Informationen: Aktuell Platz 13. Wenn man bedenkt, das ich viel zu schnell gestartet bin und Tempo herausnehmen musste, so ist Platz 13 etwas enttäuschend. Zumindest wenn man in die Top 10 möchte…

Doch es nutzt alles nichts, mehr ist im Moment nicht drin und ich muss wohl einsehen, dass auch die anderen heute gute Beine haben. Da es meine 12h-Premiere ist, nehme ich das nicht allzu schwer und entschließe mich „mein Ding“ zu fahren.

Im Feld ist inzwischen Routine eingekehrt. Jeder kennt die Stecke, man weiß wo man überholen kann und wo nicht. Ich habe einen riesigen Respekt vor dem Teamfahrern die um jede Sekunde sprinten und dennoch an den Engpässen die Geduld aufbringen und bis zur nächsten Überholmöglichkeit warten. (An dieser Stelle mal ein fettes „Thumps Up“ an die Teamfahrer!)


Zum Überholen werden in erster Linie die beiden Rampen raus aus der Tiefgarage bzw. rauf zum Hoteleingang genutzt. Während bei mir im Rennverlauf die Versuchung immer größer wird hier mal vorne auf das kleine Ritzel zu schalten, erzeugen die Stollenreifen der Teamfahrer beim Überholen das bekannte „Hummelbrummen“ auf dem glatten Boden während sie regelrecht an mir vorbeifliegen…

Doch nicht nur Teams überholen mich ständig. Die TOP3 der Solofahrer nehmen mir Runde um Runde ab. Es ist einfach unglaublich mit welchem Schnitt die (hier der spätere Sieger) Ihre Bahnen ziehen…


Irgendwann ist die 1. Rennhälfte geschafft, ich mache eine kurze „Nudelesspause“ um neben den an der Verpflegungsstelle gereichten Riegeln, Bananen und Äpfel mal etwas Warmes in den Bauch zu bekommen. Die Spitzenfahrer lassen das „Nudelbuffet“ links liegen und bauen ihren Vorsprung auf den Rest des Feldes unerbittlich aus.

Nach ca. 15 Minuten steige ich wieder aufs Rad und suche erneut nach meinen Rhythmus der sich auf dem verwinkelten Kurs einfach nicht einstellen will. Die Zeit kriecht endlos langsam dahin. Ständig erwische ich mich dabei auf die Uhr auf meinem Tacho zu schauen. Irgendwann stelle ich diesen einfach um auf die Kilometeranzeige. Diese ist heute uninteressant und so blicke ich nicht mehr weiter darauf.

Vom Steckenrand erhalte ich die Information: Platz 12, 1 Runde Rückstand auf Platz 11. Hoppla, hat da jemand länger Mittagspause gemacht als ich? Bewusst auf der Stecke habe ihn jedenfalls nicht überholt, doch das muss nichts heißen. Dafür gibt es hier zu viele Überhohlvorgänge. Ich schöpfe neue Motivation und versuche ausreichend Zug auf der Kette zu halten.

Nach 9 Stunden erhalten ich dann gar die Information: Jetzt Platz 11! Wahnsinn! Ist es doch noch möglich meinen „geheimen“ Traumplatz zu erreichen? TOP10 bei „Deutschen Meisterschaften“ hört sich doch toll an? ;-)

Doch in der nächsten Runde dann die Info: Platz 10 hat 8 Runden Vorsprung. Es ist die Startnummer 1030. Ich weiß wer es ist. Er hat mich die letzte Zeit mindestens 2x überrundet, d.h. er ist aktuell deutlich stärker als ich und 8 Runden sind schon eine ordentliche Hausnummer. So lautet die neue Taktik ab sofort: Nach hinten verteidigen. Das wird eh schwierig genug. Gleich 3 Fahrer sitzen mir mit 2-3 Runden Rückstand im Nacken.


So unterdrücke ich den wachsenden Wunsch noch einmal kurz vom Rad zu steigen, quetsche mir ein weiteres Energie-Gel in den Mund und hole alles aus den Beinen was noch geht. Der Abstand nach hinten bleibt konstant und irgendwann ist klar, das ich meinen Platz halten kann. Das ist gut für meine Moral und ich kann das Tempo bis zum Schluss halten.

Die letzten Runden macht der Moderator in der Halle richtig Stimmung und es ist ein Wahnsinns gefühlt von den Zuschauern in die nächste Runde gepeitscht zu werden. Hinzu kommt das innere Hochgefühl dem inneren Schweinehund ordentlich in den Hintern getreten zu haben. 12-Stunden „nonstopp“ auf dem Rad. Ich kann es selber kaum glauben…  und ich finde Platz 11 bei den „Deutschen Meisterschaften 12h Indoor“ hört auch schon verdammt gut an!



Achja, der gleiche Veranstalter bietet im April ein weiteres 12h-Rennen an… hm, ich muss mal meinen Terminkalender zücken und prüfen ob da nicht noch irgendwie Platz zu schaffen ist für einen weiteren Event… Ich glaube ich habe „Blut geleckt“…

Montag, 30. Januar 2012

CTF des TuS Neuenrade (in XXL)

05:15
Ich kann eh nicht mehr schlafen, also warum nicht gleich aufstehen? Erspart meiner Frau in 15 Minuten das Wecksignal.
Ich nehme mir Zeit für ein gemütliches Frühstück. Lecker! Die Klamotten habe ich bereits Gestern zusammengesucht und im Bad bzw. direkt an der Haustür platziert. Der Plan geht auf. Frau und Kinder schlafen noch als ich um Punkt…

06:00
… das Haus verlasse. Dick eingepackt wie ich bin empfinde ich es nicht mal als kalt. Doch es ist stockdunkel. Vorsichtig tappe ich im Dunkeln zur Garage. Leise öffnen, hoffentlich wecke ich keinen Nachbarn. Die rufen doch am Sonntag um diese Zeit glatt die Polizei weil sie glauben jemand bricht dort ein.

Das Thermometer am Tacho zeigt -3,2 Grad. Hm, ich muss direkt von Haus aus knapp 500 Meter steil bergab. Das wird kalt.

06:45
Das Thermometer zeigt -5 Grad. Ich scheine im Sauerland angekommen zu sein. ;-) Auf dem Seitenstreifen sind immer wieder eisig glänzende Stellen auszumachen. Jetzt an der Vorderradbremse zu ziehen kann ein böses und schnelles Ende geben. Doch darüber denke ich gerade nicht nach. Mein Problem sind kalte Finger, eiskalte Finger. Wenn ich die nicht ganz schnell wieder warm bekomme, kann ich gleich umdrehen. Abwechselnd nehme ich eine Hand vom Lenker und reibe sie im Windschatten unterhalb des Oberschenkels an der Radhose. Funktioniert, langsam wird es besser.

07:15
Ich stehe auf einer Straße in Straße. Nein das ist kein Schreibfehler. Es handelt sich um ein winziges Kaff aus drei oder vier Häusern, genauer kann ich es im Dunkeln nicht erkennen. Was ich jedoch erkennen kann ist ein riesiger nagelneuer Kreisverkehr, welcher einer stark befahrenen Bundesstraße würdig wäre. Hier müssen tagsüber hunderte von Lastern und Schwertransporter durchrauschen. Zumindest ist er von der Dimension her darauf ausgelegt. Naja, ehrlich gesagt bezweifele ich dies ein wenig… Falls hier jedoch irgendwer/was/wann durchfährt, sollte er/sie/es über ein Navi verfügen. Denn Hinweisschilder mit Richtungs/Stadtangaben sucht man hier (noch?) vergebens. Prompt fahre ich falsch, merke meinen Fehler aber zum Glück schnell und fahre zurück zum Monsterkreisel. Dieses Mal erwische ich die Richtige „Ausfahrt“.

09:00
Ich biege in Werdohl ab in Richtung Neuenrade. Es geht noch einmal richtig bergauf. Immer mehr Autos mit Fahrrädern überholen mich. Das ist meine erste CTF, ich habe mit einer kleinen „familiären“ Gruppe gerechnet. Es scheinen jedoch ein paar mehr Leute mitzufahren.
09:15
Hier ist der Bär los. Der Parkplatz ist voll, überall Radfahrer. Klar, es ist nicht mit einem großen Marathon zu vergleichen, doch hier ist richtig was los!

10:00
Die Tour geht los, ist Top ausgeschildert und unterwegs ergeben sich nette Gespräche mit den Mitfahrern. Mal fährt man mit jemandem eine halbe Stunde, dann verliert man sich am Berg und trifft wieder jemand anderen. Die Verpflegung ist gut, sogar Werkzeuge sind an den Kontrollstellen vorhanden, jedenfalls sehe ich einen Crosser auf dem Montageständer. Wenn ich es richtig aufgeschnappt habe, ist seine Schaltung eingefroren. Aber noch einmal kurz zurück zur Verpflegung: Nebend Obst, Broten, Keksen, Teilchen, Kaffee und weiteren Getränken zaubert vor allem die heiße Suppenbrühe ein freudiges Leuchten in die Augen der Teilnehmer.

12:30
Ankunft im „Ziel“. Hier gibt es neben den schon morgens angebotenen Brötchen, Kaffee und Co nun zusätzlich Würstchen vom Grill, welche von den (laut Aushang) 605! Teilnehmern auch gut angenommen werden.
Danke an den TuS Neunrade für eine wunderschöne Route durchs Sauerland. Leider blieb uns die angekündigte traumhafte Aussicht aufgrund diesiger Wolken verwehrt. Aber es bliebt von oben trocken und da der Boden meist gefroren war auch von unten. Für Januar hervorragendes MTB-Wetter.
(Wer Lust bekommen hat: Diese CTF war Teil der Westfalen Winter Bike Trophy und es stehen noch weitere Touren auf dem Programm!)

13:00
Nach einer guten Pause geht es auf den Heimweg. Abgekühlt und verschwitzt geht es runter nach Werdohl….. *brrrrrrr schlotter*

14:30
Abzweig B229 auf die B54. Links ran an die Araltankstelle. Die nette Kassiererin hinterm Tresen taut anstandslos meinen eingefrorenen Trinkverschluss und den Minigletscher in der Flasche mit heißem Wasser auf. Mit warmem Getränk fährt es sich doch gleich viel besser!

16:30
Home sweet Home!

Für mich persönlich zu dieser Jahreszeit: Rekorddistanz! Ich würde mal sagen: „Generalprobe“ für in vier Wochen bestanden...

Mittwoch, 18. Januar 2012

Rückblick auf 2011 - Von der Coach bis auf den Feldberg

So oder ähnlich könnte man mein persönliches MTB-Jahr 2011 betiteln. Aber immer schön der Reihe nach…

Es war irgendwann Ende 2010. Ich hatte in diesem Jahr wieder damit angefangen etwas mehr Rad zu fahren. Doch immer wieder wurde meine Trainingsmotivation von PC-Spielen, dem TV, schlechtem Wetter oder einfach nur einer Tüte Chips unterwandert.

Irgendeine Form von „positivem Druck“ musste her um dies zu ändern. So kam es, dass ich das Anmeldeformular zur TransSchwarzwald 2011 ausfüllte. Als ich einem Freund davon erzählte, entstand schnell die Idee dieses Abenteuer als Team durchzuziehen. So wurde eine gemeinsame Saisonplanung aufgestellt:

Zwei verlängerte Trainingswochenenden sollten die mehrtägige Belastung simulieren und einige Marathons sollten die Wettkampfsituation im Team simulieren.

Der Plan ging auf. Das Training wurde strukturierter und regelmäßiger. Dank eines traumhaften Frühjahres in 2011 konnten wir früh Kilometer sammeln und waren bereits beim Frühjahresklassiker in Sundern-Hagen auf der langen Runde unterwegs. Es folgten das lokale Türme Stürmen bei uns vor der Haustüre und (ebenfalls auf der großen Runde) unser Lieblingsrennen in Willingen.


So standen wir schließlich am 17.08.2011 bis in die Haarspitzen motiviert an der Startlinie zu unserem bislang größten MTB-Abenteuer, welches wir uns als „normalsterbliche, berufstätige Hobbyfahrer mit Familie" vorstellen konnten. 


Offiziell waren unsere Ziele gering gesteckt:
  • gesund ankommen
  • nicht aufgrund des Zeitlimits disqualifiziert werden
  • nicht Letzter werden
Schließlich will man sich ja nicht vor Freunden und Bekannten blamieren… Heimlich hoffte man natürlich auf mehr. Irgendwo im Mittelfeld wollten wir schon fahren. Doch die Realität sah anders aus. Die Zahl der Profis im Feld (z.B. Andreas Strobel, Milena Landtwing, Pia Sundstedt, Udo Bölts) war zwar wie üblich sehr gering, doch auch die anderen wirkten auf uns mindestens wie semiprofessionelle Fahrer mit ihren Betreuerteams, Wohnmobilen und Rädern deutlich jenseits der 3.000 Euro Marke. Doch auch die anderen wenigen „Normalos“ hatten ordentlich Trainingskilometer in den Waden.

Wir hatten eine wahnsinns Zeit, aber das Endergebnis ging dann doch eher in die Richtung unserer offiziellen Ziele. ;-)

Egal, wir sind im Ziel angekommen, das ist schon deutlich mehr als vielen anderen vergönnt war. Außerdem hat es unglaublich viel Spaß gemacht und ich durfte mich ohne schlechtes Gewissen mal wieder meinem Lieblingsnaschzeug widmen…


Bald mehr zu den Plänen für 2012!